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11.06.2026 |
Ganzheitliche Leistungssteigerung im Krafttraining
#FITNESS im Gespräch mit Maik Thies

Krafttraining erlebt derzeit ein starkes Revival – besonders das Training mit Heavy Weights gewinnt wieder enorm an Popularität. Immer mehr Menschen entdecken die Faszination intensiver Belastungen, maximaler Kraftentwicklung und körperlicher Leistungsfähigkeit für sich. Doch nachhaltiger Erfolg entsteht nicht allein durch schwere Gewichte und kompromisslose Trainingspläne. Regeneration, mentale Stärke, Schlafqualität und die Fähigkeit, auf den eigenen Körper zu hören, gewinnen im modernen Kraftsport zunehmend an Bedeutung. Genau diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgt Maik Thies seit vielen Jahren – als Coach, Athlet und Mr. Universe 2018.
Susanne Neumann: Maik, viele Athleten konzentrieren sich im Krafttraining ausschließlich auf Trainingspläne und Gewichte. Warum ist aus deiner Sicht ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend für nachhaltige Leistungssteigerung?
Maik Thies: Eine strukturierte und vor allem individuell angepasste Trainingsplanung ist im Krafttraining absolut sinnvoll. Sie ermöglicht es, Fortschritte objektiv zu verfolgen, Stagnationen frühzeitig zu erkennen und Übertraining zu vermeiden. Über Faktoren wie Gewichtsentwicklung, körperliches Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit lässt sich relativ klar einschätzen, ob ein Trainingssystem wirklich zum jeweiligen Ziel passt.
Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus reicht es jedoch nicht aus, ausschließlich auf Trainingspläne und Gewichte zu schauen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie gut sich Training in den Alltag integrieren lässt. Wird das Training als positiver Ausgleich empfunden oder erzeugt es zusätzlichen Stress durch überhöhte Leistungsansprüche? Genau hier liegt ein zentraler Punkt, denn Stress beeinflusst unser Nervensystem, unser Hormonsystem und letztlich unsere gesamte Regenerationsfähigkeit.
Für mich sollte Training – insbesondere im Breitensport – immer auch Freude bereiten. Wenn du nach dem Training energiegeladen bist, dich körperlich und mental besser fühlst und langfristig motiviert bleibst, dann ist das bereits ein enormer Erfolg. Ebenso wichtig ist es, die Signale des Körpers ernst zu nehmen. Wer permanent müde ist, ständig gähnen muss oder sich ausgelaugt fühlt, sollte nicht starr an einem Trainingsplan festhalten. Manchmal ist aktive Regeneration, ein Spaziergang in der Natur oder ein bewusster Ruhetag deutlich sinnvoller als ein erzwungenes Workout.
Welche Rolle spielen Faktoren wie Schlaf, Regeneration und Stressmanagement, wenn es darum geht, im Krafttraining dauerhaft stärker und leistungsfähiger zu werden?
Schlaf und Regeneration gehören zu den fundamentalen Säulen nachhaltiger Leistungsentwicklung. Der Schlaf reguliert unseren zirkadianen Rhythmus und beeinflusst damit nicht nur Muskelwachstum und Regeneration, sondern auch unser Nervensystem, unsere Organe, Gelenke, Sehnen und Bänder. Gerade im Kraftsport wird häufig unterschätzt, wie stark die Schlafqualität über Fortschritt oder Rückschritt entscheidet.
Für ambitionierte Sportler sind mindestens acht Stunden Schlaf mit hoher Qualität essenziell. Dabei geht es nicht nur um die Dauer, sondern vor allem um die Qualität der Regeneration. Ein optimaler Schlafraum sollte dunkel, ruhig und möglichst frei von elektromagnetischen Belastungen sein. Fernseher, WLAN-Router, Smartphones oder unnötige Stromquellen haben aus meiner Sicht in einem regenerativen Schlafumfeld nichts verloren.
Zusätzlich empfehle ich Maßnahmen wie Blue-Blocker-Brillen am Abend oder warmes Rotlicht statt greller LED-Beleuchtung. Viele Menschen verbringen ihre Abende heute vor Bildschirmen und vergessen dabei, wie essenziell echter Tiefschlaf für Regeneration, Hormonhaushalt und Muskelaufbau ist.
Auch das Stressmanagement im Alltag spielt eine enorme Rolle. Ich rate meinen Athleten beispielsweise dazu, ihr Training möglichst stressfrei in den Tagesablauf zu integrieren. Oft macht ein nahegelegenes Studio mehr Sinn als lange Fahrzeiten nur wegen eines günstigeren Beitrags. Leistungssteigerung entsteht nicht nur durch Belastung – sondern vor allem durch die Qualität der Erholung.
Du sprichst häufig von der Verbindung zwischen Körper und Geist. Wie beeinflusst die mentale Einstellung die Leistungsfähigkeit beim Krafttraining und welche Methoden empfiehlst du deinen Athleten?
Mentale Klarheit ist im Leistungssport ein entscheidender Faktor. Viele Athleten trainieren hart, haben aber keinen klaren Fokus. Deshalb stelle ich meinen Klienten immer zuerst die Frage: Warum trainierst du überhaupt? Was ist dein Ziel? Was möchtest du wirklich erreichen?
Wer sich vor jedem Training bewusst macht, warum er diesen Weg geht, schafft eine völlig andere Qualität von Motivation. Gleichzeitig ist es wichtig, stolz auf bereits erreichte Fortschritte zu sein und sich nicht ausschließlich auf Defizite zu konzentrieren. Selbstmotivation ist einer der größten Schlüssel zu langfristigem Erfolg.
Darüber hinaus arbeite ich intensiv mit Methoden aus der Psychokinesiologie. Dabei analysieren wir emotionale Blockaden, Organzusammenhänge und deren Auswirkungen auf den Körper. Emotionen wie Angst oder Unsicherheit können sich körperlich manifestieren und sogar Bewegungsmuster oder Verletzungsanfälligkeiten beeinflussen. Durch gezielte Arbeit mit Glaubenssätzen, Affirmationen und kinesiologischen Methoden lassen sich viele dieser Themen stabilisieren.
Mein Ziel im Coaching ist es immer, den Athleten Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie langfristig eigenständig leistungsfähig und mental stabil bleiben können.
Ernährung ist im Kraftsport ein zentrales Thema. Worauf sollte man achten, wenn das Ziel nicht nur Muskelaufbau, sondern auch langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist?
Ernährung ist ein unglaublich komplexes Thema. Aus meiner Erfahrung gibt es jedoch keinen universellen Ernährungsansatz, der für jeden Menschen gleichermaßen funktioniert. Deshalb arbeite ich seit vielen Jahren unter anderem mit den Prinzipien der Blutgruppenernährung nach Dr. Adamo und beobachte dabei sehr interessante Ergebnisse hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Verdauung und Regeneration.
Der entscheidende Punkt ist: Nicht jeder Organismus verarbeitet Lebensmittel auf die gleiche Weise. Manche Menschen vertragen tierische Produkte hervorragend, andere reagieren deutlich besser auf leichtere Ernährungskonzepte. Deshalb sollte Ernährung immer individuell betrachtet werden.
Was mir besonders wichtig ist: Ich bin überzeugt davon, dass natürliche Lebensmittel langfristig leistungsfähiger machen als eine Ernährung, die überwiegend aus Shakes, Pulvern und Nahrungsergänzung besteht. Kein Supplement kann die Qualität echter Lebensmittel ersetzen. Hochwertige, natürliche und möglichst regionale Ernährung verbessert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern oft auch Hautbild, Energielevel, Regeneration und allgemeines Wohlbefinden.
Im Bereich der Sporternährung wird außerdem häufig zu stark auf Proteine fokussiert. Viel entscheidender ist nach intensiven Trainingseinheiten oftmals die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher über Kohlenhydrate. Der Körper benötigt nach hoher Belastung schnelle Energiezufuhr, um Regenerationsprozesse optimal einzuleiten.
Viele Trainierende geraten früher oder später in ein Leistungsplateau. Welche ganzheitlichen Strategien nutzt du, um stagnierende Fortschritte wieder in Bewegung zu bringen?
Wenn ein Leistungsplateau erreicht wird, ist das für mich häufig ein Zeichen dafür, dass der Körper mehr Regeneration benötigt. In solchen Phasen reduziere ich bewusst Trainingsvolumen und Intensität. Nicht selten kann sogar eine komplette Trainingspause von einer oder zwei Wochen enorme Fortschritte ermöglichen.
Für meine Athleten habe ich deshalb spezielle Regenerationskonzepte entwickelt, die über klassische Trainingspausen hinausgehen. Dabei spielen basische Ernährung, Regenerationsmaßnahmen, Entlastung des Organismus und gezielte Entgiftungsprozesse eine zentrale Rolle.
Viele Sportler unterschätzen, wie stark chronische Belastung, Umweltgifte und dauerhafte Übersäuerung die Leistungsfähigkeit beeinflussen können. Wenn der Körper permanent „überfüllt“ ist und keine ausreichenden Regenerationsphasen erhält, leidet langfristig die gesamte Struktur – von Gelenken über Bänder bis hin zu Haut, Haaren und allgemeiner Vitalität.
Deshalb integrieren meine Athleten jede Woche bewusste regenerative Maßnahmen – beispielsweise Basenbäder, regenerative Ernährungstage oder aktive Erholung. Regeneration ist kein Luxus, sondern ein essenzieller Bestandteil von Leistungsentwicklung.
Wenn du einem ambitionierten Kraftsportler nur drei Grundprinzipien für maximale Leistungssteigerung mit auf den Weg geben könntest – welche wären das und warum?
Erstens: Höre auf deinen Körper und nicht ausschließlich auf starre Trainingssysteme. Körpergefühl ist ein enorm unterschätzter Leistungsfaktor.
Zweitens: Priorisiere Schlaf und Regeneration kompromisslos. Fortschritt entsteht nicht während des Trainings, sondern in der Erholung.
Und drittens: Entwickle echte Leidenschaft für das, was du tust. Wer mit Freude, Begeisterung und innerer Überzeugung trainiert, wird langfristig erfolgreicher sein als jemand, der nur unter Druck funktioniert.
Du hast selbst auf höchstem Niveau Bodybuilding betrieben und wurdest 2018 Mr. Universe. Welche persönlichen Erfahrungen haben deine heutige Sicht auf ganzheitliche Leistungssteigerung am stärksten geprägt?
Der größte Schlüssel zu meinem Erfolg war rückblickend nicht das Training selbst, sondern meine mentale Einstellung. Viele Jahre lang habe ich versucht, Erwartungen anderer zu erfüllen und unter enormem Druck zu funktionieren. Wirklich erfolgreich wurde ich erst in dem Moment, als ich begonnen habe, meinen eigenen Weg zu gehen.
2017 nutzte ich bewusst als regenerative Aufbauphase. Für 2018 traf ich dann eine klare Entscheidung: Ich wollte diese Saison nur noch für mich selbst bestreiten – ohne Druck, ohne Zwang und ohne die permanente Angst, perfekt sein zu müssen. Genau das wurde letztlich meine erfolgreichste Saison. Ich habe gelernt, dass Erfolg oft entsteht, wenn man gewisse Dinge loslassen kann. Nicht die Disziplin – sondern den inneren Zwang. Sobald mehr Leichtigkeit, Freude und Leidenschaft entstehen, verändert sich die gesamte Ausstrahlung und Leistungsfähigkeit.
Affirmationen, mentale Klarheit und die bewusste Arbeit mit dem eigenen Mindset haben dabei eine enorme Rolle gespielt. Heute weiß ich: Wahre Leistungsfähigkeit entsteht dann, wenn Körper, Geist und Emotionen in Balance sind.
Gab es in deiner Karriere einen Moment, in dem du erkannt hast, dass reine Trainingsintensität allein nicht ausreicht?
Ja, definitiv. Einer der prägendsten Momente war die Arbeit mit kinesiologischen Muskeltests. Damals begann ich erstmals wirklich zu überprüfen, ob bestimmte Muskelgruppen überhaupt vollständig regeneriert waren, bevor ich sie erneut belastet habe. Grade beim Beintraining war das Ergebnis erstaunlich. Teilweise zeigte mein Körper über zwei oder sogar drei Wochen hinweg, dass keine vollständige Regeneration stattgefunden hatte. Statt weiterhin mit maximalem Volumen zu trainieren, reduzierte ich die Belastung deutlich und arbeitete gezielter. Das Ergebnis war beeindruckend: bessere Form, klarere Muskelstruktur, weniger Entzündungen, weniger Wassereinlagerungen und gleichzeitig enorme Kraftzuwächse. Diese Erfahrung hat meine gesamte Trainingsphilosophie verändert. Seitdem weiß ich, dass Fortschritt nicht durch permanente Härte entsteht, sondern durch intelligentes Timing von Belastung und Regeneration. Wer lernt, wirklich auf seinen Körper zu hören, kann seine Leistungsfähigkeit auf ein völlig neues Niveau bringen.
Fazit
Der ganzheitliche Ansatz von Maik Thies zeigt eindrucksvoll, dass moderner Kraftsport weit über Trainingspläne und Gewichte hinausgeht. Schlafqualität, Regeneration, mentale Stärke, Ernährung und Körpergefühl sind entscheidende Faktoren für nachhaltige Leistungsentwicklung. Gerade in einer Zeit, in der viele Athleten nach maximaler Intensität streben, erinnert Maik Thies daran, dass echter Fortschritt oft in Balance, Bewusstsein und langfristigem Denken entsteht. Seine Philosophie verbindet Leistungssport mit Gesundheitsbewusstsein und eröffnet damit einen neuen Blick auf modernes Krafttraining.
www.maikthies-pro-coaching.de
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